miteinander

Lieblingsfarbe pink

Ich mag pink, aber keine Stereotypen. Ich mag Glitzer, aber keine Schubladen. Ich mag rosarot und ich mag Brillen, sehe aber lieber klar.

Um mich herum ist das Leben geprägt von Rollenbilder, alles schön einsortiert, rosa für Mädchen, hellblau für Jungs. Die Mädchen haben lange Haare und die Jungs rasieren sich Nacken und Seiten ultra-kurz. Sagt jemand zu mir „ich war gestern beim Arzt“, dann sehe ich einen Kerl mit weißem Kittel und Stethoskop um den Hals. Mein Reptiliengehirn ist sauschnell und ruft in Sekundenbruchteilen dieses Bild ab, lange bevor mein Neomammalia-Gehirn, der jüngste Teil des menschlichen Hirns, sich eingeschaltet und ein „dabei kann es sich auch um eine Frau handeln“ geraunt hat. Wie stark beeinflussen diese immer gleichen Bilder mein Denken und wie sehr resultieren meine Verhaltensweisen aus diesen eingefahrenen Denkstrukturen, ganz unbewusst? Ich befürchte mehr als mir lieb ist. Ich erwische mich dabei, wie ich durch Ersetzen der Khaki- und Olivtöne aus der Strickanleitung eines Jungspullovers einen rosa-pastelligen Mädchenpullover mache. Eine schwangere Freundin zeigt mir die Anleitung eines Babyjäckchens mit Häkel-Blüten und ich antworte: „oh, wie schön, du bekommst ein Mädchen!“

Ich möchte das nicht, dieses Verhalten passt überhaupt nicht zu meinen freiheitlichen Grundprinzipien des gesellschaftlichen Miteinanders. Darum denke ich gerne über Gendering und Geschlechterrollen in der Gesellschaft nach. Und darum mag ich den Weltfrauentag oder auch Internationaler Frauentag am 8. März.

Ins Leben gerufen wurde er von US-amerikanischen Sozialistinnen zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts. Zielsetzung war es, das Wahlrecht für Frauen durchzusetzen. Diesem ersten Frauentag am 28. Februar 1909, schlossen sich gleich auch Frauen aus dem bürgerlichen Lager an. Die Bewegung hatte eine große Zugkraft. Entsprechend schnell schwappte die Idee über den großen Teich. 1911 gab es in Europa den ersten Internationalen Frauentag, ebenfalls um das Recht der Frauen auf die Teilnahme an freien und geheimen Wahlen durchzusetzen.

In den letzten einhundertsieben Jahren gab es jährlich einen Gedenktag für Frauen. In Deutschland während des Dritten Reichs freilich etwas umgedeutet. Der offizielle Frauentag wurde verboten und durch den Muttertag ersetzt. Diesen gab es zwar auch schon seit 1923, aber die Nazis machten 1933 aus ihm einen offiziellen Feiertag am dritten Sonntag im Mai zu ehren arischer Gebährmaschinen. Der 8. März wurde in dieser Zeit ein Tag des Widerstands und des sozialistischen Untergrunds, man erkannt sich am Auslüften roter Tischdecken oder roter Kleidung aus Fenstern und an Wäscheleinen.

Dieses Jahr war der Frauentag in den Medien nicht zu übersehen und das gesellschaftliche Thema des Tages. Bei Google gab es über hunderttausend Anfrage, somit der Topsuchbegriff an diesem Tag. Viele große Marken aus der Konsumgüterbranche nutzten den Tag für eine Kampagne mit garantierter Aufmerksamkeit.

Rossmann benannte seine Stores in Rossfrau um, dem Zentauren wurden weibliche Formen verpasst. Mattel kreierte siebzehn Vorbild-Barbies unter dem Slogan „Inspiring Woman – You can be anything“. Meine Lieblingspuppe ist Leyla Piedayesh, die Gründerin von Lala Berlin. Die meisten anderen Frauen-Vorbilder kannte ich bisher nicht. Kaufen kann man nur drei Puppen: Frida Kahlo, Katharine Johnson und Amelia Earheart. mattel.com

Mc Donalds drehte das M um. W wie Woman, wow. Äh ja, und weiter?

In Österreich bot die Kette Bipa an diesem Tag 25% Rabatt auf alle Putzmittel -autsch. Das Netz reagierte sofort und erbarmungslos.

Die Stadt Frankfurt verdeckte die Kaiserbilder im Kaisersaal durch überlebensgroße Porträts von achtundvierzig Frauenrechtlerinnen. fr.de  gleich gab es zorniges Gemecker, weil die Plakate in Pink gehalten sind.

Wer Lust hat sich noch mehr Markenkampagnen anzusehen, der kann sich auf der Homepage der Horizont das Ranking der elf besten Aktionen aus Sicht eines Werbers an sehen. horizont.net

Mir sind nicht nur die Aktionen aufgefallen, sondern auch die vielen negativen Kommentare und kontroversen Diskussionen.

Jochen Kalka, der Chefredakteur der W&V meinte, viele der Aktionen würden nicht gegen Diskriminierung helfen, sondern das Thema Gleichberechtigung ins lächerliche ziehen. wuv.de

Ich weiß nicht, findet ihr, Aktionen, die vielleicht ein bisschen blöd sind oder plump oder mit der Farbwahl Pink wieder ein Genderklischee bedienen, konterkarieren den Kampf um Gleichberechtigung?

Pia
>j<

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