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Stricken: nach Anleitung oder Freestyle?

Ich stricke meinen ersten Birkinsweater nach der Anleitung von Caitlin Hunter. Der Birkinsweater war schon lange mein Traum. Love at first sight wollte ich ihn stricken, seit ich ihn das erste Mal sah.

Die Zeit fliegt

Das war 2017, als ich mit Kathi von myling und Carina von Haekelmonster über das Wollfestival Berlin.knits schlenderte. Der Birkinsweater war das Titelmodel vom Laine Magazin. Kathi kaufte das Magazin und an einem schwedischen Stand schwedische Wolle. Dabei sprach sie mit der Dame vom Messestand fließend schwedisch. Der Sprachnerd in mir war beeindruckt. 2017 hatte ich von Stricken und Wolle noch gar keine Ahnung. Ich strickte nach Anleitungen aus gängigen Strickzeitschriften von unten nach oben. Der Birkin, von oben nach unten am Stück und mit vielen Fäden gleichtzeitig gestrickt war nicht meine Liga. Ein paar Nummern zu groß. Ich wollte erst noch ein wenig Strickpraxis sammeln, bevor ich mich daran wagte.

Birkin in Japan

Meine zweite Begegnung mit Birkin hatte ich dann im Oktober 2018 in Kyoto. Dort besuchte ich das Walnut Kyoto, den Strickladen der beiden Herausgeberinnen vom Strickmagazin amirisu. Mitten im Raum lag er auf einem Tisch. Der schönste Pullover der Welt. Schwarz, ein wenig flauschig mit einer Blumenranke in strahlendem Weiß. Aufgrund der reduzierten Farbigkeit erkannt ich ihn nicht wieder. Als ich das Wollpaket für den Pullover kaufen wollte, sagte mir die Besitzerin des Ladens, sie habe die Anleitung nur in japanisch. Aber sie sei in englisch auf ravelry. Als besonderen Service könne sie mir sie herunterladen. Und da erkannte ich ihn wieder. Es war der Birkin. Sofort erinnerte ich mich an die Dramen, über die Carina und Kathi in diversen Blogbeiträgen berichtet hatten. Nicht meine Liga. Schweren Herzen verließ ich das Wollgeschäft ohne Birkin.

Die Birkin-Anleitung

Fast zwei Jahre, zwei RVO (Raglan von oben) und einen Rundpasse mit Einstrickmuster – Pullover später, fühlte ich mich im Sommer dieses Jahres endlich ausreichend qualifiziert. Um keine Wollqualität – bedingten Abweichungen der Maschenprobe zu riskieren, kaufte ich das Originalgarn. Vorgewarnt durch Carinas ausführliche Berichte zur Passform las ich die Anleitung mehrfach und berechnete Breite und Höhe der Rundpasse. Schon beim Rechnen hatte ich den Eindruck, dass es nicht hinkommen könne: Aus der Anzahl der Reihen errechnet sich eine andere Passenhöhe. Innerhalb der Blumenpasse gibt es keine Zunahmen. Die Passe wird lang und schlauchförmig. Bequeme Passform ist etwas anderes. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, deshalb verlinke ich auf Carinas Bild.

Dennoch versuchte ich mich am Original Größe S. Als unerwartete Schwierigkeit erwies sich das mehrfädige Stricken. Die Wolle ist fluffiger Tweed, sehr hakelig und voluminös. Das Garn rutscht nicht geschmeidig, dadurch sind die Spannfäden schnell entweder zu locker oder zu fest. Außerdem müssen beim Stricken mit drei Fäden immer zwei auf der Rückseite mitgenommen und verwebt werden. Die fluffig-voluminöse Struktur trägt auf. Dadurch wird die Passe dick und schwer. Die Widrigkeit ignorierend strickte ich tapfer weiter. Bis zur ersten Anprobe. Größe S war schmal. Sehr schmal.

Die Birkinvariation

Zu schmal. Ich ribbelte nach der Mitte des Blütenmusters. Wechselte zur Größe M und bastelte das Blumenchart um. Nun stricke ich ihn also doch Freestyle. Nach wie vor liebe ich das Blumenmuster. Es übt eine große Faszination auf mich aus, von der ich noch nicht sagen kann, worin sie begründet liegt. Vielleicht ist es die Kombination von verspielten Blüten und Ranken mit einfachem Schnitt und kernig griffiger Wolle?

Apropos kernig-griffige Wolle. Fast am Ende des Pullovers angelangt habe ich noch knapp fünf Knäuel übrig. Und eine Idee für Birkin Freestyle No. two im Kopf. Ich werde noch einen stricken, mindestens.

Und apropos Worte-wie-Wolle-Bloggerin Häkelmonster. Carina hat mich bei meinem letzten Besuch im dicken B mit der unglaublich kreativ-produktiven Andrea von karminrot bekannt gemacht. Mit ihrem Nadelgeplapper hat sie mich zu diesem Post inspiriert.

Happy knitting & happy reading 🙂

>j< Pia

12 Kommentare

  • Carina

    Liebste Pia – wie wunderbar! Dein Birkin ist toll! Obwohl oder gerade weil es eine Variante ist. Ein bißchen musste ich lachen, über die Parallelen … erst versuchen, dann variieren und dann noch einen haben wollen. So geht es mir auch. Ein zweiter Birkin entsteht schon seit einiger Zeit in meinem Kopf.

    Liebe Grüße
    Carina.

    • Pia

      Liebste Carina, wie sagst Du immer so schön? „Schwester im Geiste“ <3. Ich bin gespannt wann und wie Birkin 2 bei Dir Gestalt annehmen wird. Ich denke darüber nach, einen Ringelpullover aus den ganzen "Resten" ergänzt um Brooklyn Tweed in Farbe something like weiß zu stricken. Die Blüten würde ich auch wieder vaiieren und in grau einstricken. (Die Ringel übrigens wie bei Deiner tollen Letlopi-Jacke). Oder alle Reste auch die grauen verringeln und die Blüten in weiß. Z.B. aus Krönchen-Cashmere. Was meinst Du, könnte das was aussehen?
      Liebe Grüße
      Pia

  • Ute

    Hui, das ist ja der reinste Abenteuerbericht. Mir ist allerdings völlig schleierhaft, wieso man eine Rundpasse ohne Zunahmen, als Schlauch designen kann! Das ist doch klar, dass das kaum jemandem passt! Selbst eine Größe XS will ja vielleicht mal die Arme bewegen … Gut, dass Du Dir zu helfen wusstest!

    Liebe Grüße
    Ute

    • Pia

      Liebe Ute, stimmt, abenteuerlich trifft es 🙂 Ich weiß nicht, wie so viele Strickerinnen es schaffen, einen Birkin nach Anleitung zu stricken, der dann auch passt. Gestern erst auf IG habe ich einen post gesehen von einem wunderschönen Birkin (rosa-rot geblütet auf grau). Die Strickerin schwärmte von der „einfachen, passenden Anleitung“. *Schulterzuck* :-). So unterschiedlich stricken wir wohl alle.
      Liebe Grüße
      Pia

  • Andrea Karminrot

    Tatsächlich bin ich erstaunt wie schön dein Birkin wird. Carina hat auch einen tollen Pullover gestrickt, aber alleine das die Passe so lang ist, schreckt mich von dieser Blumenranke ab. Aber vielleicht,…vielleicht komme ich auch noch darauf,
    Ich freue mich auch, dich kennengeletnt zu haben
    Andrea

    • Pia

      Liebe Andrea, Du würdest ihn doch wahrscheinlich von unten nach oben stricken, oder? Ich fände es mega-spannend: wie sähe die Blütenpasse mit „lächelnden“ Maschen aus?
      Liebe Grüße
      Pia

    • Pia

      🙂 jetzt, wo der schöne Pullover hier liegt, kommt es mir gar nicht so vor, als hätte ich mich durchgebissen. Ich glaube die Reduktion auf maximal zwei Fäden je Runde/Reihe hat das Stricken sehr erleichtert. Stricken mit mehr als zwei wird dann „next level“… vorher plane ich noch einen zweifarbigen Pullover zu stricken. Übung macht ja bekanntlich den Meister. Dazu mehr im nächsten „Nadelplausch“.
      Liebe Grüße
      Pia

  • Rita

    Den Birkin habe ich 2x gemacht. Einmal für mich und 1x für die Enkeltochter. Allerdings habe ich eine Mischwolle genommen. Mag immer einen kleinen Anteil Kunstfaser falls der Pullover mal in der Maschine landet. Ich liebe ihn meinen Birkin, das Muster hat mich auch gleich so angesprochen, weil es anders ist als die herkömmlichen norwegerpullover. Deine Farben sind auch so schön, da überlege ich, ob ich ihn noch mal mache. Meine sind in weiß. Ist klasse geworden Dein Birkin.

    • Pia

      Danke. Hast die klassischen Farben genommen? Weiß als Grundfarbe? Ich würde Deine beiden Birkins gerne einmal sehen. Hast Du Bilder?
      Liebe Grüße Pia

  • Rita

    Grundfarbe ist bei mir weiß, die Blumen in rosa, lila und gelb, die Blätter in grün. Da habe ich Reste verwendet.
    Leider bin ich am Computer nicht so firm, um Bilder verschicken zu können. Da muß ich meine Tochter fragen, ob sie Lust hat, das zu machen.
    Beim Enkelkind habe ich einfach die Maschenanschlagszahl von Gr. S ausgehend runtergerechnet und auch die Ärmel und Vorderteil und Rückenteil immer von Gr. S ausgehend eingeteilt. das ging gut.
    L.G. Rita

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